Nürnberger Rostbratwürstchen

Sie sind winzig, extrem lecker und Kenner bestellen sie nur in geraden Stückzahlen: Nürnberger Rostbratwürstchen erfreuen sich weltweit einer großen Popularität. Sie dürfen nur im Nürnberger Staatsgebiet hergestellt werden, doch exportiert werden sie in alle Teile der Erde. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass jährlich mehr als eine Milliarde Nürnberger Rostbratwürste produziert und vermarktet werden. Davon liefern vier Großbetriebe 90 Prozent der täglichen Produktion. Der Rest wird in Handarbeit von etwa 150 Metzgereien hergestellt. Für die Gesamterzeugung werden täglich über 100 Tonnen Schweinefleisch verarbeitet, das zum großen Teil aus Mittel- und Nordeuropa importiert werden muss.

Die originale Nürnberger Rostbratwurst ist in zwei Varianten zum Verzehr freigegeben. Zum einen das kleine, kurze Würstchen und zum anderen das etwas längere, das häufig als Paar angeboten wird. Beide sind sehr dünn und ihr Durchmesser entspricht etwa dem eines kleinen Fingers. Für die Fertigung wird grob entfettes Schweinefleisch mit mittelgrober Körnung verwendet, welches in Schafsdünndarme gefüllt wird. Dabei haben die Nürnberger Rostbratwürstchen im rohen Zustand ein Gewicht von 20 bis 25 Gramm und weisen eine besonders markante Majoran Note auf. Diese und einige weitere, spezielle Eigenschaften machen die Wurst zu einer Nürnberger Rostbratwurst.

Wann genau die Nürnberger Bratwurst erfunden wurde, kann man nicht exakt belegen. Sicher ist jedoch, dass bereits im 15. Jahrhundert Vorgaben und Qualitätsicherungen für diese Wurst existierte. Schon damals durften sie nur von gelernten Metzgern im Fleischhaus an der Fleischbrücke zubereitet und gehandelt werden. Des Weiteren unterlagen sie der Auflage, dass vier der Würste zusammen ein Pfund an Gewicht vorweisen mussten. Dementsprechend waren diese Würstchen weitaus größer als die der heutigen Zeit. Hielt man sich nicht an die Vorgaben, war ein Bußgeld fällig.

Einer der bekanntesten Verehrer der Nürnberger Rostbratwürstchen war der Patrizier und damaliger Stadtrichter Hans Stromer. Er wurde wegen Geheimverrats zu lebenslanger Haft verurteilt, die er im Schuldturm auf der Nürnberger Insel Schütt absitzen musste. Aufgrund seiner privilegierten Herkunft hatte er aber einen Wunsch frei und so wollte er jeden Tag zwei Bratwürste als Nachspeise bekommen: Bis zu seinem Selbstmord aß Stromer insgesamt 28 000 Würstchen!

Zum Thema, warum die Nürnberger Rostbratwürstchen heute so klein sind, existieren einige, teils obskure Geschichten. Einige besagen, dass Gefangene im Nürnberger Lochgefängnis von ihren Verwandten durch das Schlüsselloch mit Würstchen versorgt wurden. Andere behaupten, dieses kleine Wurstformat wurde von den Gastwirten entwickelt, die damit in der Sperrstunde Reisende verköstigten, indem sie die Würstchen durch das Schlüsselloch der Wirtshaustür zwängten. Eher wahrscheinlich ist aber die Theorie, dass sich die Wurst aufgrund der allgemeinen Teuerung im 16. Jahrhundert kleiner wurde, um Wucherpreise zu verhindern.

Nürnbergern Rostbratwürste – Die Variationen

Bestellt man “Blaue Zipfel”, so bekommt man die Würstchen erhitzt und in einem Zwiebel-Essig-Weinsud serviert. Bei der “Nackerten” Bratwurst entledigt man die Wurst des Schafsseitlings und serviert diese vermischt mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer. Diese Mischung eignet sich hervorragend als Brotaufstrich. Aber hier beginnt die Experimentierfreude erst: Bratwurst-Sushi, Bratwurst-Auflauf, Salat mit Bratwurst oder Bratwurst-Suppe. Rezepte finden sich zuhauf im Internet. Wer die Nürnberger Rostbratwurst schätzt, probiert gerne eine dieser Variationen aus.

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