Der Mythos Currywurst

“Boudin vom Landschwein an Curry-Tomaten-Coulis” spotteten Kolumnisten in einer Zeit, als die Nouvelle cuisine aus jedem Gericht eine Création machen wollte – und somit auch aus der Currywurst. Heute steht der Gourmet zu seinen Gelüsten und enthungert sich ungeniert mit gebratener Schweinswurst auf offener Straße.

Das einzig wahre deutsche Fast Food wurde zwar im Jahr 1949 in Berlin patentiert, dennoch streiten sich Hamburger und Berliner um die Erfinderehre. Das stört den Ruhrpott kaum, in dem es – meinen wurstkundige Eingeweihte – ohnehin die allerbeste Currywurst gibt. Sie ist mild gewürzt, außen knusprigbraun, innen weißgrau und meist leider automatisch, noch oft genug aber auch per Hand in mundgerechte Stücke geschnitten. Die Wurst badet in scharfer Currysauce und ist beim Überreichen der Pappschachtel bis obenhin überpudert mit ein paar Gramm Currypulver. Eine Currywurst ist im Grunde genommen eine deftige Bratwurst aus Schweinebrät mit Haut, serviert mit einer scharfen (Tomaten-)Sauce und Currypulver.

Currywurst hat viele Liebhaber. Meist isst man sie am Imbiss – gerne an einem Nest aus Pommes Frites. Man kann Currywurst aber auch als Fertigprodukt im Supermarkt kaufen. Dem Geschmack einer auf einem Grill knusprig gebratenen Wurst frisch vom Metzger wird man mit der Version aus der Plastikschale zwar nicht einmal nahe kommen, für Notfälle kann man aber dennoch darauf zurückgreifen. Übertrieben gesund ist Currywurst zwar nicht, aber mal zwischendurch (oder auch öfter) ist eine Currywurst köstlich.

Curry, für viele nur die Pulvermischung aus Indien, korrekt aber ein indisches Gericht aus den Grundzutaten Fleisch, Fisch oder Gemüse mit der möglichst frisch zusammengestellten Gewürzmischung (tamil. kari = Sauce), der Masal, und Beigaben wie Joghurt oder Kokosmilch. Verglichen damit ist Curry aus dem Supermarkt nur eine Gewürzmischung. Bis zu 40 Gewürze, deren Funktion von der explosiven Schärfe bis zur tief-gelben Farbe, werden in Indien kombiniert: Kurkuma, Koriander, Ingwer, Bockshornkleesamen, Pfeffer, Römischer Kümmel, Chilis, eventuell auch Kardamon, Gewürznelken, Piment, Weißer Senf, auch mal Lorbeerblätter, Cassia, Muskatnuss, Macis, Kümmel, Fenchel, Sternanis. Indische Köchinnen und Köche mahlen und zerstoßen Samen und Körner frisch, rösten das Ganze zuvor und stellen ein Curry für jedes Gericht individuell zusammen.

In Indien soll die Kunst des Gewürzmischens übrigens manchen Quellen nach schon Ende des 17. Jh., als die englischen Kolonialherren in das Land kamen, sehr verbreitet gewesen sein. In anderen Überlieferungen heißt es allerdings, das Currypulver sei eine “Erfindung” der Engländer. Auf jeden Fall brachten britische Offiziere die Gewürzmischungen aus Indien mit in ihre Heimat, um auf den Geschmack ihrer lieb gewonnenen indischen Speisen nicht verzichten zu müssen.

Heutzutage veredelt es mit seinem exotischen Aroma eines der urdeutschesten Gerichte, das in zahlreichen Rezepten verwendung findet und welches sich seit seiner Erfindung größter Beliebtheit bei jung und alt erfreut.

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