Die Wurst im Sprachgebrauch

Es gibt wenige Nahrungsmittel, die so viel Verwendung im deutschen Sprachgebrauch finden, wie die Wurst. Sie wird für allerlei Sinn und Unsinn verwurstet. Doch nicht nur althergebrachte Sprichwörter bedienen des einzigen Objekts mit zwei Enden, auch aktuell muss sie für immer neue Witze herhalten, nicht zuletzt als Vergleichsobjekt für das männliche Geschlechtsteil. So fragte Harald Schmidt einmal “Haben Sie schon mal an der Currywurstbude die Gesichter von Männern beobachtet, wenn Wurst durch den Schneider geht?” Klar, worauf da angespielt wird, oder? Andere Redewendungen sind hingegen schon entstanden, als wir noch in Abrahams Wurstkessel geschwommen sind.

“Das ist mir doch Wurst!” mag sich da so manch einer denken. Beim Erfinden von Sprüchen geht’s ja schließlich nicht um die Wurst – vielleicht nicht ausschließlich, aber doch erstaunlich oft. Kaum eine Alltagssituation, für die es nicht schon eine Wurstmetapher gäbe, oder für die man nicht schnell eine finden könnte.

So darf sich so manch einer nach einer schmerzlichen Trennung Wilhelm Buschs leicht makabre Worte anhören: “Des Schweines Ende ist der Wurst Anfang.” Selbst im Bereich der Justiz wird der schmackhafte Zweiender bemüht. Zum Beispiel von Otto von Bismarck, der weise sprach: “Je weniger die Leute wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie.”

In der deutsche Sprache wird viel verwurstet

In der deutsche Sprache wird viel verwurstet

Zugegeben, nicht alles, was über die Wurst gesagt wird, ist es wert, wiederholt oder gar aufgeschrieben zu werden. Bei vielem fragt man sich, welcher Hanswurst das nun wieder fabriziert haben mag. Allerdings ist doch wirklich ein armes Würstchen, wer bei z. B. Grönemeyers Ode an die “Currywurst” keine Glücksgefühle verspürt. Kostbar sind solche profan anmutenden Glanzstücke der Liedkunst und gehören entsprechend gewürdigt. Schließlich liefert Herbert hier unzählige Gründe, warum Currywurst ein jedes Herz höher schlagen lassen kann. Und von Dingen, die das auf so einfache Art vermögen, gibt es nicht allzu viele.

Schon Erich Kästner bemerkte: “Das Glück ist keine Dauerwurst, von der man tägliche eine Scheibe abschneiden kann.” Man muss eben auch die kleinen Gücksmomente zu schätzen wissen. Doch manche sind halt nie zufrieden und wollen immer etwas Besonderes. Sie zählen nämlich nicht zum gemeinen Volk, sie haben etwas Besseres verdient. Sie leben frei nach der Devise: “Darnach der Mann geraten, wird ihm die Wurst gebraten.” Sie streben nach Höherem und so muss es dann für sie oft eine Extrawurst sein. Die allermeisten jedoch erfreuen sich auch an den kleinen Kostbarkeiten, denn wie heißt es so schön: In der allergrößten Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot.

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