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Armes Würstchen

Das “arme Würstchen” ist unter den Redewendungen quasi selbst ein armes Würstchen.

Mit 129 Einträgen im Deutschen Sprichwörterlexikon liegt die Wurst mit Sicherheit sehr weit vorne bei den Nahrungsmitteln, die am häufigsten im deutschen Sprachgebrauch Erwähnung finden. Man liest da von langen Würsten und von sauberen Würsten, von aparten Würsten, von verschwiegenen Würsten und sogar von laufenden Würsten. Aber ein armes Würstchen ist selbst dort nicht aufzutreiben.

Was gemeint ist, wenn jemand als armes Würstchen bezeichnet wird, ist relativ klar. Definitionen finden sich zuhauf. Laut Duden ist ein armes Würstchen ein “armseliger, unbedeutender Mensch”. Für Wikipedia ist ein armes Würstchen immerhin etwas netter ein “schwacher, benachteiligter Mensch” und auch The Free Dictionary beschreibt ein armes Würstchen als “bemitleidenswerten, armen, unbedeutenden Menschen”.

Darüber, wo der Ausdruck nun aber seinen Ursprung hat, scheiden sich jedoch die Geister. Die einen sehen eine Verbindung zum “Kanonenfutter”, weil man im Krieg die Soldaten an der Front arme Würstchen genannt hat. Andere wiederum leiten die Entstehung der Wendung von der “Opferwurst” ab. Diese ist eine Brühwurst, die man im Brühwasser zerkocht, sodass die Würstchen, die man eigentlich später servieren will, beim Erhitzen nicht an Geschmack verlieren. Sie ist somit ein echt armes Würstchen. Vielleicht ist ein armes Würstchen aber auch einfach nur ein zu klein oder zu dünn geratenes – eben ein Würstchen für Arme. Dass “armes Würstchen” dann schnell eine Bezeichnung für eine kleine, armselige, unbedeutende Person geworden sein könnte, mutet fast natürlich an.

Auch ein Hunde ist manchmal ein armes Würstchen

Auch ein Hunde ist manchmal ein armes Würstchen

Generell haben Ausdrücke, die das Wort Wurst enthalten, oft eine eher negative Konnotation. Das ist einerseits auf die Art ihrer Herstellung zurückzuführen, denn schließlich wird sie oft aus den bei der Schlachtung anfallenden Restprodukten gemacht. Andererseits liefert schon die mögliche Etymologie einiges Potential. Der tatsächliche Wortursprung ist zwar nicht bekannt, aber es existieren dennoch verschiedene Theorien. Eine besagt, dass Wurst aus dem indoeuropäischen Wortstamm “urtsti” oder “uert” hervorgegangen ist, der so viel bedeutet wie “Gedrehtes, Gerolltes, Gewendetes”. Damit verwandt sind “uers” und “wers” und das althochdeutsche Wort “werran”, das “durcheinandermengen” bedeutet. Ebenfalls darauf zurückzuführen sind “wirren”, “Wirrwarr”, “verwirren” und “Wirbel”. Auch das altfranzösische “werre” könnte von “wers” abgeleitet werden. Daraus wiederum sind wahrscheinlich engl. “war” und frz. “guerre” (beide “Krieg”) entstanden. Außerdem wird eine Verwandtschaft zwischen “Wurst” und engl. “worst” (Superlativ von bad – schlecht) vermutet.

Man sieht also, woher Ausdrücke wie “verwursten” vermutlich stammen. Irgendwie scheint es unter diesem Aspekt auch nicht wirklich verwunderlich, dass “Wirrwarr” und “rumwurschteln” etymologisch verwandt sein sollen. Wo nun unser armes Würstchen da genau einzusortieren ist, bleibt leider etwas unklar. Aber vielleicht ist ja etwas Deutungsspielraum gar nicht so schlecht – besonders, wenn es um so etwas Schönes wie Schimpfwörter geht.