Tag Archiv für Würstchen

Knackige Brühwürstchen

Nach den Leitsätzen für Fleich und Fleicherzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuches bezeichnet man alle Wurstarten und -sorten, die bei der Herstellung durch Brühen, Backen, Braten, Sieden oder auf andere Weise mit Hitze behandelt werden als Brühwürstchen. Im Vergleich zur Rohwurst gerinnt das im Brät enthaltene Muskeleiweiß durch die Behandlung mit Hitze und macht die Brühwürstchen schnittfest und haltbar. Beim Wiedererwärmen werden die Brühwürstchen nicht wie die Kochwurst wieder weich, sondern bleiben fest. » Weiterlesen

Die Wurst im Sprachgebrauch

Es gibt wenige Nahrungsmittel, die so viel Verwendung im deutschen Sprachgebrauch finden, wie die Wurst. Sie wird für allerlei Sinn und Unsinn verwurstet. Doch nicht nur althergebrachte Sprichwörter bedienen des einzigen Objekts mit zwei Enden, auch aktuell muss sie für immer neue Witze herhalten, nicht zuletzt als Vergleichsobjekt für das männliche Geschlechtsteil. So fragte Harald Schmidt einmal “Haben Sie schon mal an der Currywurstbude die Gesichter von Männern beobachtet, wenn Wurst durch den Schneider geht?” Klar, worauf da angespielt wird, oder? Andere Redewendungen sind hingegen schon entstanden, als wir noch in Abrahams Wurstkessel geschwommen sind.

“Das ist mir doch Wurst!” mag sich da so manch einer denken. Beim Erfinden von Sprüchen geht’s ja schließlich nicht um die Wurst – vielleicht nicht ausschließlich, aber doch erstaunlich oft. Kaum eine Alltagssituation, für die es nicht schon eine Wurstmetapher gäbe, oder für die man nicht schnell eine finden könnte.

So darf sich so manch einer nach einer schmerzlichen Trennung Wilhelm Buschs leicht makabre Worte anhören: “Des Schweines Ende ist der Wurst Anfang.” Selbst im Bereich der Justiz wird der schmackhafte Zweiender bemüht. Zum Beispiel von Otto von Bismarck, der weise sprach: “Je weniger die Leute wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie.”

In der deutsche Sprache wird viel verwurstet

In der deutsche Sprache wird viel verwurstet

Zugegeben, nicht alles, was über die Wurst gesagt wird, ist es wert, wiederholt oder gar aufgeschrieben zu werden. Bei vielem fragt man sich, welcher Hanswurst das nun wieder fabriziert haben mag. Allerdings ist doch wirklich ein armes Würstchen, wer bei z. B. Grönemeyers Ode an die “Currywurst” keine Glücksgefühle verspürt. Kostbar sind solche profan anmutenden Glanzstücke der Liedkunst und gehören entsprechend gewürdigt. Schließlich liefert Herbert hier unzählige Gründe, warum Currywurst ein jedes Herz höher schlagen lassen kann. Und von Dingen, die das auf so einfache Art vermögen, gibt es nicht allzu viele.

Schon Erich Kästner bemerkte: “Das Glück ist keine Dauerwurst, von der man tägliche eine Scheibe abschneiden kann.” Man muss eben auch die kleinen Gücksmomente zu schätzen wissen. Doch manche sind halt nie zufrieden und wollen immer etwas Besonderes. Sie zählen nämlich nicht zum gemeinen Volk, sie haben etwas Besseres verdient. Sie leben frei nach der Devise: “Darnach der Mann geraten, wird ihm die Wurst gebraten.” Sie streben nach Höherem und so muss es dann für sie oft eine Extrawurst sein. Die allermeisten jedoch erfreuen sich auch an den kleinen Kostbarkeiten, denn wie heißt es so schön: In der allergrößten Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot.

Die Bratwurst

Die Bratwurst wird in erster Linie aus Schweine- oder Kalbsfleisch hergestellt und existiert in roher oder gebrühter Form. Verbreiteter ist die gebrühte Form, wie sie oft am Bratwurststand erworben werden kann. Bereits die alten Griechen wussten eine gute Bratwurst zu schätzen. Homer beschrieb in seiner Odyssee, wie mit Fett und Blut gefüllte Ziegenmägen auf heißen Kohlen zubereitet wurden. » Weiterlesen

Bei uns geht´s um die Wurst

Mit über 1500 verschiedenen Wurstarten kann Deutschland wohl mit Fug und Recht als das Land der Wurst und Würstchen bezeichnet werden. Zwar sind sie nicht unbedingt hier erfunden worden, jedoch wird wohl in kaum einem anderen Land ihre Herstellung und ihr Verzehr so kultiviert wie in Deutschland. Neben Brot zählt Wurst zu den im Ausland bekanntesten deutschen Spezialitäten.

So vielfältig ihre Variationen auch sind, Würstchen und Wurst werden im Prinzip immer auf die gleiche Weise hergestellt: Fleisch und Speck werden zerkleinert, mit Gewürzen abgeschmeckt und in natürliche oder künstliche Därme gefüllt. Danach kann die Wurst je nach Spezialität entweder roh, gekocht, luftgetrocknet, geräuchert oder gebraten verzehrt werden. Obwohl jede Region ihre eigene Wurst-Spezialität hervorgebracht hat, unterscheidet man drei Hauptgruppen: die Rohwurst, die Brühwurst und die Kochwurst.
Die Rohwurst kommt entweder frisch oder in der luftgetrockneten bzw. geräucherten Version auf den Tisch. Hierbei wird wiederum in streichfähige (z. B. Mett- und Teewurst) und schnittfähige (z. B. Salami oder Zervelatwurst) Würste unterteilt.

Brühwürste, wie z.B. die Frankfurter Würstchen enthalten meistens sehr feines Brät, das unter Zugabe von Pökelsalz (fakultativ) und Wasser oder Eis (obligatorisch) gebrüht oder bei geringer Temperatur gebacken wird. In dieser Wurst-Kategorie wird weiter differenziert zwischen Brühwürstchen (alle sogenannten Heißwürstchen mit einem Durchmesser von unter 32 mm), fein zerkleinerte Brühwürste (z. B. Fleischwurst oder Lyoner), grobe Brühwürste (z. B. Mortadella, Bier- oder Jagdwurst) und Brühwurst mit Einlagen (z.B. Bierschinken).

Die Kochwurst enthält überwiegend schon gekochte Zutaten. Diese Wurst erhält ihre feste Form durch das Gerinnen von Lebereiweis und beim Abkühlen erstarrtes Fett (Leberwürste), durch hart gewordenes Gelee bzw. Kollagen (Sülzwürste) oder das Gerinnen von Bluteiweis und Verfestigen von aus Schwarten austretendem Kollagen (Blutwürste). Nachdem die Kochwürste eingefüllt worden sind, werden sie wieder gegart und manchmal noch geräuchert.

Deutschland – Land der Wurst und Würstchen

Deutschland – Land der Wurst und Würstchen

Jede Kategorie enthält auch Würste, die zuweilen mit anderen, spezielleren Zutaten wie Nüssen und Pistazien, Früchten wie Feigen und Blaubeeren, Gemüse, Pilzen und sogar Kartoffeln oder Hafergrütze verfeinert werden.

Für die Herstellung von Wurst und Würstchen bestehen sehr strenge Vorschriften. So ist für fast jede Wurst-Spezialität festgelegt, was und wie viel davon hinein darf oder muss. Ein Beispiel hierfür ist Muskeleiweiß. Fleischeiweiß setzt sich zusammen aus Eiweiß aus schierem Muskelfleisch und Bindegewebseiweiß. Letzteres ist qualitativ minderwertiger und darf nicht dazu verwendet werden, die Wurst zu “strecken”.

Wie so viel Gutes kommt auch die Wurst wahrscheinlich von den Sumerern, die schon vor 5000 Jahren Würstchen produzierten. Auch die Kelten und die Römer liebten Bratwurst, Blutwurst und Co. Bei den Chinesen findet sie erstmals um 589 v. Chr. Erwähnung. Grundsätzlich diente die Wurst der vollständigen Verwertung aller Produkte, die beim Schlachten anfallen.

Die deutsche Fleischwarenindustrie hat 2009 eine Produktion von 1,47 Millionen Tonnen Wurstwaren gemeldet. Das bedeutet einen Anstieg von 2,6 Prozent gegenüber 2007. Die beliebtesten Würste sind die Brühwürste. Dann folgen die Rohwürste. Und das Schlusslicht auf der Popularitätsskala bilden die Kochwürste.

Hans Wurst

Vor einiger Zeit lief im Radio eine Sendung über Vornamensänderung. So weit so gut. Da gibt es ja nun wirklich Exemplare, die großes Verständnis auslösen für den Wunsch, eine andere Identität anzunehmen. Exemplare, bei denen man sich ernsthaft fragt, was die Eltern im Sinn hatten, als sie sie ihren Sprösslingen für ein Leben lang mitgaben. Um so größer das allgemeine Erstaunen, als ein Zuhörer anrief und völlig überzeugend darlegte, er könne mit seinem Namen einfach nicht mehr leben und denke ernsthaft über eine Namensänderung nach. Auf die Frage des Moderators hin, wie dieser unzumutbare Vorname denn laute, antwortete der gute Mann: Hans. Nach einem Moment verwunderten Schweigens seitens des Moderators führte er dann weiter aus, sein Nachname sei allerdings Wurst. Er heiße also Hans Wurst.

Sicher, nach einem Augenblick der Überlegung wird es einem klar: Dieser Mann hat sich mit dem Moderator und den Zuhörern einen kleinen Scherz erlaubt. Warum aber funktioniert dieser Witz? Was ist an dem Namen Hans Wurst so viel lustiger als an anderen merkwürdig anmutenden Namen? Schließlich gibt es Nachnamen wie Schweinsteiger, Fickermann und Ochsenknecht, oder gar in der Doppelvariante wie Leutheusser-Schnarrenberger oder Jungnickel-Ostersetzer. Wurst nimmt sich da doch noch recht harmlos aus.

Mehr als nur ein komischer Name: Hans-Wurst

Mehr als nur ein komischer Name: Hans-Wurst

Dass man trotzdem schmunzeln muss, hängt mit den Assoziationen zusammen, die der Name Hans Wurst weckt. Jeder weiß, Hans Wurst (auch Hanswurst) nennt man einen Dummkopf oder Tölpel, der sich selbst mit Händen und Füßen im Wege steht. Tatsächlich ist Hans Wurst seit dem 16. Jahrhundert eine Figur der deutschsprachigen Stegreifkomödie. Der Name Hans Wurst erschien erstmals in einer mitteldeutschen Übersetzung des “Narrenschiff” von Sebastian Brant von 1519. In der Originalversion hieß er allerdings noch “hans myst”. Auf Wanderbühnen und beim Jahrmarkttheater verkörperte der Hans Wurst eine derb-komische Bauernfigur, die beim Publikum mit gewitzten Streichen, groben Zoten und anarchistischen Späßen große Beliebtheit erlangte.

Im 18. Jahrhundert machte der Pächter des Wiener Kärntnertortheaters, Josef Anton Stranitzky, den Hans Wurst in Anlehnung an den Harlekin der der italienischen Commedia dell’arte zur “deutschen komischen Figur”. Meist in Bauern- oder Dienerrollen persiflierte der Hans Wurst in den Zwischenspielen oder Pausen der damals beliebten parodistischen Haupt-und Staatsaktionen die gekünstelte und abgehobene Welt der Aristokratie. Um den sozialen Status der deutschen Komödie anzuheben, versuchte der Gelehrte Johann Christoph Gottsched in den 1730er Jahren zusammen mit der Schauspielerin Frederike Caroline Neuber, den Hans Wurst von den deutschsprachigen Bühnen zu verdrängen. Besonders in Wien stieß dies allerdings auf großen Unmut. Aus finanziellen Gründen konnte Neuber in ihrer Funktion als Prinzipalin einer Schauspieltruppe nie ganz auf den Einsatz des Hans Wurst verzichten. Zu beliebt war diese Figur beim Publikum. Dennoch ebnete dieser “Hanswurststreit” den Weg für die später aufkommenden Stadttheater des deutschen Bildungsbürgertums.

Neben der oben beschriebenen Funktion hatte der Name Hans Wurst allerdings auch Schimpfwortcharakter. Unter anderem verwendete Martin Luther den Begriff 1530 in seiner “Vermahnung an die Geistlichen, versammelt auf dem Reichstag zu Augsburg”. 1541 verfasste er die Streitschrift “Wider Hans Worst”, in der er seine Anschauungen und sein Lebenswerk resümiert und sich gegen den Herzog Heinrich von Braunschweig zu Wolfenbüttel zur Wehr setzte, der ihn vorher bezichtigt hatte, seinen Landesherrn Johann Friedrich I. von Sachsen einen Hans Wurst genannt zu haben.

Heutzutage ist uns Hans Wurst eigentlich nur noch als Beleidigung ein Begriff, weshalb sich der Herr im Radio auch einen Spaß daraus bereiten konnte, den Hörern weiszumachen, seine Eltern hätten ihn Hans Wurst genannt.